Wir Lernen „Steirische Harmonika“

Es war der 1. August 2013, ich bin Pensionist und möchte, was ich mir schon lange vorgenommen habe Akkordeon lernen. Mein Sohn und seine Frau haben zur Hochzeit eines geschenkt bekommen das sie mir leihen würden aber irgendwie hatte ich Angst es nicht zu schaffen und so schob ich dieses Vorhaben immer wieder hinaus.
Im Mai 2016 wurde der Wunsch aber wieder so stark und ich wollte es unbedingt versuchen; diesmal aber nicht das Akkordeon sondern die „Steirische Harmonika“.
Ich wusste, dass mein 87jähriger Schwiegervater zwei Steirische besitzt. Er hat nämlich in früheren Jahren Tanzmusik gespielt und zwar mit einer NOVAK 3-reihig in B,Es,As und einer MELODYA Menges 3-reihig in A,D,G. Ich fragte meinen Schwager Hans, ob er mir eine Harmonika leiht um zu probieren ob mir dieses Instrument überhaupt gefällt. Er willigte sofort ein und ließ mich beide probieren. Ich entschied mich für die MELODYA Menges aus Slowenien 3-reihig, mit 34 Melodieknöpfen, 11 Bassknöpfen, 2-chörig und nahm sie gleich mit. Das Instrument war nicht gerade in einem sauberen Zustand.
Zuhause angekommen wurde sofort mit der Reinigung des guten Stückes begonnen. Es war eine komische Halterung angebracht, mit einer Alu Schale im Brustbereich und ein Rückenpolster der mit den Riemen vernäht war. Außerdem war am Griffbrett noch ein Holzbrett als Aufdoppelung angebracht. Alles wurde zerlegt und abgebaut. Dann wurde die Harmonika gereinigt, alle Abdeckungen entfernt und der Staub der sich über die Jahre angesammelt hatte abgesaugt und mit einem Tuch alles fein säuberlich geputzt, soweit das möglich war. Danach habe ich alles wieder zusammengebaut, außen das Gehäuse und den Balg gereinigt und poliert bis ich eine halbwegs ansehnliche Harmonika vor mir hatte. Die Frage war nun: „Wie lerne ich die „Steirische“??
Ich forschte im Internet nach Lern-Unterlagen für Selbstunterricht und kam durch Zufall auf die Seite der „MICHLBAUER Harmonikawelt“. Ich sah mir einige Videos über die Michlbauer Methode an und wusste sofort: „DAS IST ES“, so will ich lernen. Am nächsten Tag bestellte mir meine Frau Elisabeth beim Michlbauer ein Lehrbuch für Steirische Harmonika – „Michlbauer Methode Band 1 und die dazugehörige DVD“ in der alle Übungen vorgespielt werden. Ich kann es kaum erwarten und zwei Tage später war es soweit, die Lernunterlagen trafen ein. Gleich wird alles ausgepackt und die DVD in den Recorder geschoben. Als Bonusfilm ist auf der DVD die erste Unterrichtsstunde mit Flori Michlbauer. Diese wurde noch am selben Abend sicher 5x angeschaut und ich bemerkte, dass auch Elisabeth total begeistert zusah. Während des Abends erzählte sie mir, dass sie in ihrer Jugend schon dieses Instrument lernen wollte aber alle sagten: „ Das erlernst du nie, das ist total schwer“ und das war’s dann.
Und so beschlossen wir an diesem Abend, dass wir gemeinsam dieses Vorhaben in die Tat umsetzen wollen. „Gesagt-Getan“!! Am nächsten Tag, es ist der 14 Mai 2016 begannen wir mit den ersten Versuchen auf der Harmonika „ Übung 1 Durwechsel mit 5 Finger“, die Finger wollten einfach nicht auf den Tasten liegen bleiben, aber es wird fleißig weitergeübt. Jeden Tag 2×15 Minuten bis zum 18.Mai und es wurde immer besser, wir kamen schon bis Übung 11.
Vom 19.Mai bis 22.Mai fuhren wir auf Kurzurlaub nach Lignano und wir bekamen schon leichte Entzugserscheinungen, da wir die Steirische nicht dabei hatten.
Ab 23. Mai wurde wieder fleißig geübt (ca. 2×20 Minuten/Tag) und es stellten sich auch schon kleine Erfolge ein. Es ist der 31.Mai und wir sind bereits bei Übung 20 angelangt; es klingt auch schon einigermaßen aber leider ist das Instrument nicht dicht und verliert Luft, daher konnten wir die Übungen mit Bass und Begleitung nicht spielen.
Wir stöberten wie fast alle Tage auf der Michlbauer-Homepage und stießen auf Seminare für absolute Einsteiger ohne Vorkenntnisse „Basis Seminar MODUL A“ – wir sind uns sofort einig, das wollen wir machen. Termin 20.-24.Juni 2016 in Weyregg am Attersee. Elisabeth rief sofort beim Michlbauer an, ob noch Plätze frei wären und wo wir eine Unterkunft kriegen könnten. Monika Wienerroither, die Sekretärin bzw. auch Harmonikalehrerin von Michlbauer, bestätigte uns zwei Plätze und gab uns eine Übersicht der Unterkünfte. Wir buchten gleich am nächsten Tag in der Pension Stallinger in Weyregg vom 19.06. bis 24.06.2016. Wir konnten es kaum erwarten bis es soweit war und übten fleißig weiter die Übungen 1-26. Viel weiter wollten wir nicht, um nicht irgendetwas falsch einzulernen.
Niemand aus unserem Verwandten- bzw. Freundeskreis wusste etwas von unserem Vorhaben (und das soll auch bis Weihnachten so bleiben). Wir haben uns für einen Wander u. Radurlaub am Attersee verabschiedet. Einige waren schon ein wenig verwundert (Urlaub am Attersee????) wo wir doch sonst um diese Zeit immer eine Flugreise machten. Am Vorabend des 19.Juni wurde gepackt – alles musste mit; Wandersachen, Lauf- und Radbekleidung, Badesachen, aber noch zusätzlich auch unsere Lederhosen sowie Dirndlkleid mit allem was dazugehört.
Um 09:00 Uhr fuhren wir los, zu einem neuen Abenteuer „Harmonika spielen lernen“. Nach etwa 1,5 Std. erreichten wir unser Ziel Weyregg am Attersee, wo die Michlbauer Harmonikaschule zuhause ist. Wir bezogen unser Quartier in der Pension Stallinger, packten alles aus und erkundeten mal den Ort und natürlich auch wo sich die Harmonikawelt befand.

Dann ging’s richtig los
Montag 20.06.2016
Wir trafen in der Harmonikawelt ein; einige Seminarteilnehmer standen schon vor dem Gebäude und wir gesellten uns dazu. Es herrschte sofort eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Neun Personen besuchten diese Woche das Anfängerseminar Modul A (Claudia, Gerlinde, Toni, Ernst, Thomas; Nico, Gary, meine Frau Elisabeth und ich). Um 09:00 Uhr fing der Unterricht an und zwar mit der Begrüßung durch Seminarleiter Christian und dem Leiter des „FLORINEUMS“ Daniel.
Es folgte eine Vorstellungsrunde der Teilnehmer sowie Organisatorisches für diese Woche. Als erster Workshop war das Kennenlernen der Harmonika, wobei eine Harmonika zerlegt in ihre Einzelteile bereit lag, damit wir auch die Funktionen und das Innenleben erkunden konnten. Ebenso wurde Spielweise-System 5 Finger, Griffschrift, Fingersatz und natürlich die Seminarunterlagen (MICHLBAUER Methode Band 1) erläutert. Anschließend bekam jeder eine Steirische (NOVAK 3-reihig B-Es-As) umgehängt, mit der er die ganze Woche üben konnte. Christian spielte uns einiges vor, damit wir hören konnten was mit der Steirischen alles möglich ist. Nach dem Mittagessen gab’s ein besonderes Highlight – Flori (Prof. Florian Michlbauer) spielte uns mit Sohn Daniel einige besonders schöne Stücke – die Begeisterung der Seminarteil-nehmer war enorm. Danach war wieder Einzelunterricht bis 16:00 Uhr. Wir waren ganz schön geschafft nach diesem ersten Tag und trotzdem organisierte Elisabeth noch ein Treffen mit „ Flori“ im Kaffee KLIMT in Schörfling. Wir trafen uns vor 20:00 Uhr und kurz darauf kam auch schon Flori – direkt von einem ORF Auftritt anlässlich seines 60igsten Geburtstages. Es wurde ein sehr netter und lustiger Abend!
Dienstag 21.06.2016
Workshop: Wie übe ich richtig; die linke Hand, Bass und Begleitung; Einzelunterricht
Mittwoch 22.06.2016
Workshop: Was ist die richtige Literatur; Vorstellung verschiedener Harmonikas wie z.B. Strasser, Novak, Beltuna; Klangunterschiede; Stimmungen 2od.3chörig; 3od.4reihig; Einzelunterricht; Bassübungen; Wechselbass u. Melodie. Am Abend gemeinsames Essen im Waldgasthof Födinger – ein besonders lustiger Abend, denn mit dabei waren unser Lehrer Christian, ebenso Daniel Danter sowie Opa Andreas (Danter vlg. MICHLBAUER 93 Jahre) mit der Posaune sowie Gitarre und sang auch noch ausgezeichnet dazu, es wurde getanzt und erst um 24:00 Uhr war Schluss.
Donnerstag 23.06.2016
Workshop: Rhythmus ist die halbe Musik, Taktarten, Einzelunterricht, Bass und Begleitung,
Freitag 24.06.2016
Einzelunterricht Übung 27,28,29,30 Wechselbass u. Melodie; weitere Seminarangebote; Schlussbesprechung mit Urkundenübergabe und als Geschenk gab es noch ein T-Shirt der Michlbauer Harmonikawelt und ein Poster von Flori mit persönlicher Widmung.
Wir hatten bereits zu Hause besprochen, dass wir uns zu Weihnachten eine Harmonika schenken werden und so suchten wir uns in der Harmonikawelt eine aus. Für meine Frau Elisabeth eine gebrauchte NOVAK Florineum in B-Es-As-Des 4-reihig 3chörig, sie gehörte Franzi (Freundin von Daniel) und für mich eine NOVAK Sonorum in der Stimmung B-Es-As-Des./4.reihig 3.chörig, beide in „blau“. Mein Instrument war vorhanden und konnten wir gleich nach Hause mitnehmen. Die Harmonika von Elisabeth war erst in ca. drei Wochen abholbereit – sie wurde noch zur Fa. Novak geschickt um einige Töne nachzustimmen.
Die ganze Gruppe war sich einig – wir kommen wieder und so wurde gleich das nächste Seminar Modul B für 6.-9. Juni 2017 gebucht. Es war eine tolle Woche und wir haben sehr viel gelernt und viele neue Freunde gewonnen. Das gesamte Team der Michlbauer Harmonikawelt ist einfach einmalig und so fuhren wir nach einer wunderbaren aber anstrengenden Urlaubswoche nach Hause und freuten uns schon auf die nächste Übungsstunde daheim.
Ab jetzt wurde sehr fleißig geübt, aber es gab natürlich auch Tage da ging gar nichts, dafür am nächsten Tag umso besser. Seit dem Seminar sind jetzt 3 Wochen vergangen und wir sind schon bei Übung 36, zwar noch nicht perfekt aber doch schon ganz gut werden die ersten Lieder gespielt.
Schwiegervater Fritz und Schwager Hans schenkten uns am 09.06.2016 die alte Harmonika die wir bis jetzt zum üben verwendeten. Die Freude war groß – besonders bei Elisabeth, da sie jetzt ein Erbstück ihres Vaters besitzt – nämlich die MELODYA Slovenia in der Stimmung A-D-G/3-reihig/2-chörig in „rot“. Die Steirische hat aber einige Mängel und so beschlossen wir die Harmonika reparieren zu lassen; wir notierten alle Mängel und verpackten das Instrument, um sie beim nächsten Besuch in Weyregg mitzunehmen und uns ein Angebot über den Reparaturaufwand erstellen zu lassen
Am 15.07.2016 kam der Anruf von Monika aus dem Florineum – die Steirische für Elisabeth ist abholbereit und so fuhren wir noch am gleichen Tag nach Weyregg; mit dabei auch die „MELODYA“. Wir gaben das Instrument für ein Reparaturangebot bei Monika ab und sie wird es an die Firma NOVAK weiterleiten.
Die neue überholte Harmonika für Elisabeth lag bereit und Daniel übergab ihr das Instrument. Sie versuchte sofort etwas zu spielen, was auch gelang – einfach toll!
Ab jetzt wurde jeden Tag noch fleißiger geübt, jeder mit seiner eigenen Harmonika.
Es ist der 15. August – also 3 Monate seit wir zu spielen angefangen haben und wir sind in der Michlbauer Schule Band 1 bei Übung 60 angelangt; können auch schon einige Lieder aus den Vortragsstücken Band 1 spielen wie z.B. Mein erster Walzer, Auf der Alm, Schnaderhüpfln, Frühlingslied sowie den Polkatanz. Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Erfolg. Es ist tatsächlich so wie es „FLORI“ angekündigt hatte, dass man in kurzer Zeit bereits kleine Erfolge feiern kann. Die Begeisterung ist riesig und wir werden mit großem Eifer und Freude weiterüben.