Wie man sich mit einem Kopiergerät die Finger verbrennen kann Urheberrechtsverletzung ist strafbar!

„Da musste ich erst einmal kurz durchschnaufen, als sich mir in meinem Unterrichtsraum zwei Herren von der Kripo vorstellten. Gott sei Dank hatte ich gerade eine Freistunde, und diese Peinlichkeit blieb mir gegenüber meinem Harmonikaschüler erspart. Nachdem einer der Beamten mir dann erklärte, worum es ginge und dass noch 5 seiner Kollegen und der Anwalt meines Klägers kommen werden, schnürte es mir erst so richtig den Hals zu. Meinen restlichen Schülern konnte ich für diesen Tag gleich absagen, da die Vernehmung durch die Polizei dann doch etwas länger dauerte …“

Dies ist der Text eines Mannes, der unbedachterweise immer wieder Notenhefte der Michlbauer GmbH kopierte und an seine Schüler weiterverkauft. Dieser Text war eine der Auflagen, die, um ihm weitere Kosten oder gar Gefängnisstrafe(!) zu ersparen, auf außergerichtlichem Weg vorgenommen wurde. Und ja – Sie haben richtig gelesen: Um ihm eine mögliche Gefängnisstrafe zu ersparen, denn Urheberrechtsverletzungen sind strafbar, und es sind je nach Schwere des Vergehens, bis zu 2 Jahre Gefängnis dafür im Gesetz vorgesehen! Und das vollzieht der Staat, nicht die Michlbauer GmbH!

Bei unterschiedlichen Gelegenheiten weisen wir immer wieder in Beiträgen darauf hin, dass das unerlaubte Kopieren unserer Hefte nicht zulässig, sogar strafbar ist. Und dass ist nicht, weil wir „die Bösen“ sind, sondern, da geht es in erster Linie um die Wertschätzung einer geistigen Arbeit. Von den weiteren, tatsächlichen Kosten wie Ausarbeitung, Drucksachen usw. einmal ganz abgesehen.
Jener Herr, der sich diesbezüglich so „unbedarft“ benommen hat schreibt in seiner eigenen Ausführung weiter:

„Wie es dazu kam … Vervielfältigung von Noten für meine Schüler, also Urheberrechtsverletzung:
Nur den allerwenigsten Bekannten in meinem Umfeld konnte ich vorerst von meinen Vergehen erzählen. „Wieso, das macht ja eigentlich jeder?“, war dann immer prompt die Antwort. Und das ist auch das Problem: Das Kopieren von urhebergeschützten Noten wurde bis dahin von mir und wahrscheinlich von vielen Musikern als Kavaliersdelikt abgetan. Tatsächlich ist es aber so, dass das Kopieren nicht nur den Besuch von Anwalt und Kripo mit sich zieht, sondern der Kläger berechtigterweise Schadenersatz fordert!
Im Grunde geht es ja darum, dass dem Komponisten bzw. Arrangeur die Wertschätzung für seine Arbeit nicht entgegengebracht wird, und eine Kopie zwar momentan billig ist, aber diese Arbeit total entwertet wird. Viele denken sich dann „Das ist mir ja egal, Hauptsache ich habe mir etwas Geld gespart.“ Aber wieviel Geld ist das wirklich für den Einzelnen? Instrumente werden teilweise in fünfstelligen Beträgen gekauft. Hier geht es um 20-30 Euro für ein Buch oder Heft.
Abgesehen davon, dass es gegen das Gesetz ist, wird mittelfristig aber noch etwas anderes passieren: Ein Arrangeur macht sich die Mühe, und schreibt ein neues Lehrheft bzw. Liederbuch. Ein Verlag ist bereit, dieses Heft oder Buch zu drucken, und in grösserer Auflage zu verkaufen. Zu Beginn wird das Werk auch gut angenommen und entsprechend gekauft. Etwas zeitlich versetzt kommen dann die „Kopierexperten“, denen die Leistung des Künstlers und Verlages relativ egal ist. Hauptsache man kann seiner Sammlung gleich eine weitere Kopie hinzufügen.
Die Folge: Der Verlag sieht, dass die Verkaufzahlen zurückgehen und muss annehmen, dass das Werk nicht mehr gefragt ist. Die Noten werden nicht mehr gedruckt, schade um so manches Liederheft.
Kopien wird es wahrscheinlich immer wieder geben, natürlich nicht mehr bei mir. Mein Kläger hat die Klage nach einem persönlichen Gespräch zurückgezogen, und wir konnten uns Gott sei Dank außergerichtlich einigen. Schadenersatz musste ich jedoch schon leisten, und die angefallenen Anwaltskosten sind auch nicht von schlechten Eltern.

Mein Tipp:
Musiker sollten grundsätzlich immer Originalnoten verwenden. Wer seine Originale schonen möchte, kann für seine eigenen Zwecke eine Kopie anfertigen. Jedoch möchte ich niemanden empfehlen, Noten, die mit einem „©“ versehen sind, zu kopieren, und weiterzugeben. Ein Besuch von der Kripo mit einer Klage wegen Urheberverletzung zieht nicht nur finanzielle Folgen nach sich. In meinem Fall war das Gewissen dann so schlecht, dass die Schlafstörungen bis jetzt anhalten. Und das ist es sicher nicht Wert. Unserem Leben Wert und Sinn zu geben ist unsere Aufgabe – besonders uns Musikern.“

Dieser Bericht mag einen guten Einblick in die Reue desjenigen geben, der „halt einfach die ihm vorliegenden Noten kopiert hat“, aber es sind ihm tatsächlich empfindliche Kosten entstanden.
Es ist also tatsächlich alles andere als ein „Kavaliersdelikt“.
Und um nochmals auf den strafrechtlichen Aspekt hinzuweisen: Eine Anzeige wegen Urheberrechts-verletzung setzt eine rechtliche Maschinerie in Gang, die kaum zu stoppen ist. Zu Ihrer Information, aber auch ein wenig zur Abschreckung vor einem solchen „Kavaliersdelikt“, haben wir das Schreiben, den Beschluss des zuständigen Landesgerichtes hier mitveröffentlicht. Daraus ist sehr deutlich zu ersehen, mit welchem Ernst einer solchen Straftat nachgegangen wird. Hier der Gerichtsbeschluss

Zur Information, damit hier nicht versehentlich falsche Schlüsse gezogen werden:
Es ist Teil der außergerichtlichen Einigung, dass wir hier in dieser Form darüber an die Öffentlichkeit gehen. Der besagte Herr, dessen Namen und Adresse im Gerichtsschreiben wir natürlich unkenntlich gemacht haben, trägt dies als Teil seiner Wiedergutmachungsabsicht bei und auch, um seine Lehrer- und Musikerkollegen darauf hinzuweisen, welch ernsthafte Folgen es haben kann, Noten und Liederbücher einfach, ohne weiter darüber nachzudenken, zu kopieren. Denn: Nur weil man etwas im Besitz hat, hat man noch längst nicht alle Nutzungsrechte!