Zita Weber – die Steirische Harmonika als Kraftquelle

Ich heiße Zita Weber, bin im September 1958 in St. Sebastian bei Mariazell geboren. Ich wohne in Wien, bin mit Thomas verheiratet, habe zwei erwachsene Töchter und ein Enkerl.

Meine Kindheit und Jugend habe ich am Annaberg (N.Ö. / Mariazellerland) verbracht. Das Haus meiner Eltern lag sehr abgelegen an einer Seitenstraße und damals gab es bei uns noch kein elektrisches Licht (von Fernsehen und Internet gar nicht zu reden). Meine Mama hat während der Arbeit viel gesungen und ich hab dazu Mundharmonika gespielt. Abends haben Papa und Mama gemeinsam gesungen, manchmal auch für unsere Sommergäste die aus Wien, Deutschland oder Holland gekommen sind.

Meine erste Harmonika bekam ich im Alter von ca. 5 Jahren. Sie hatte eine Reihe und zwei Bässe. Danach bekam ich eine gebrauchte 2-reihige. Im Alter von etwa 10 Jahren bekam ich eine 3-reihige Novak. Leider war kein Lehrer in der Umgebung, der mir etwas beibringen hätte können. So hab ich also rein nach Gehör gespielt, und zwar Lieder, die mir meine Mutter vorgesungen hat und Melodien, die ich im (Batterien-) Radio hörte. Das war nicht einfach, weil die Stücke im Radio meist in einer anderen Stimmung gespielt wurden als es meine Harmonika hatte.

Mit 17 Jahren (also vor rd 40 Jahren! – ach, wie die Zeit vergeht …) übersiedelte ich nach Wien und arbeitete einige Jahre im Büro. Später machte ich berufsbegleitend die Ausbildung zur Religionslehrerin. Da habe ich mir selbst das Gitarrespielen beigebracht, was bei den Kindern großen Anklang gefunden hat.
Danach kamen meine Töchter zur Welt und ich war einige Jahre im „Familienmanagement“ tätig. Die soziale Arbeit liegt mir, deshalb war ich dann auch lange im „Mobilen Betreuungsdienst“ als Heimhilfe unterwegs.

Meine Steirische aus der Kinderzeit durfte damals nicht mit nach Wien – sie mußte zu Hause bei meinen Eltern bleiben. Aber ich habe manchmal darauf gespielt, wenn ich sie besucht habe.
Im Urlaub in Oberösterreich kam ich dann aber ganz zufällig(?) in Kontakt mit diesem besonderen Instrument. Das war 1997, und diese kurze Geschichte will ich hier gerne erzählen, war sie doch so etwas wie ein „Schlüsselerlebnis“ für mich.
Es war im Mühlviertel und es war eine Seminarwoche für Mal- und Gestaltungstherapie. Als ich mein Zimmer bezogen hatte, habe ich von draußen Harmonikaklänge gehört und war gleich wie elektrisiert. In der Gaststube traf ich später auf einen Herrn mit einem Harmonikakoffer. Ich fragte ihn, ob er der Harmonikaspieler sei. Er antwortete: „Nein, ich bin der Wirt, hab zwar eine Harmonika, spiele aber nicht.“ Er erzählte mir, dass ihm seine Frau ein Instrument zum Geburtstag geschenkt hatte, weil es ihr so gut gefällt. Dann fragte er mich, ob ich spiele. Ich meinte: „Ja, schon, doch es ist schon lange her …“. Das gefiel ihm und so hat er mir während der Seminarwoche sein Instrument überlassen und ich hab‘ nach fast 20 Jahren abends wieder gespielt und war vom Klang fasziniert und regelrecht energetisiert. Damit hatte ich meine Kraftquelle aus der Kindheit wiedergefunden; es war sofort wieder die Faszination über den einzigartigen Klang da, die ich schon als Kind gespürt hatte. Und ich hab‘ auch spüren können, welche Kraftquelle diese Musik, dieses Instrument in der Kindheit für mich war – und immer noch ist. Daran wollte ich wieder anknüpfen.
So bekam ich von meinem Papa – 35 Jahre nach der ersten Steirischen – zu meinem 40. Geburtstag eine neue Steirische und ich hab‘ wieder nach Gehör gespielt.

Als ich 2005 erfuhr (wieder durch Zufall?), dass in Wien eine Michlbauer Musikschule eröffnet wird, war ich sogleich Feuer und Flamme und habe mich für den Unterricht angemeldet. Hab‘ ganz neu mit dem Fünf-Fingersystem zu lernen begonnen. Es war anfangs mühsam, doch dann machte ich schnell Fortschritte. Ich hab das Michlbauer System sehr zu schätzen gelernt, ich kenne kein anderes System, das so durchdacht und „mit einem roten Faden“ verbunden ist. Und außerdem eine Vielzahl von Spielliteratur zu bieten hat. Ich fuhr und fahre immer noch einmal im Monat nach Gasen zum Unterricht bei Robert Stelzer („Weil das Lernen ja nicht aufhört…“ ;-) ). 1x monatlich treffen wir uns nun zu viert oder fünft in Wien um gemeinsam Ensemblestücke zu spielen. Meiner sozialen Gesinnung folgend spiele ich mit der Steirischen jede zweite Woche ehrenamtlich auf der „Geriatrischen Station der Baumgartner Höhe“, gemeinsam mit Jörg Iro (Gitarre), mit dem ich die Ausbildung zur Dipl. Seniorinnenfachkraft gemacht habe.

Im Juni 2015 war es dann endlich soweit, ich hatte die Urkunde zur Lehrer-Grundausbildung in den Händen. Nun starte ich in Wien mit dem Unterricht und ich freue mich schon sehr auf meine Schüler und über meine neue Aufgabe.

Mein Lebensmotto ist: „Jetzt ist der beste Zeitpunkt“, und das lebe ich auch so. In meiner Freizeit bin ich gerne in der Natur, am Wochenende fahre ich gerne aufs Land und in die Berge, obwohl ich die Vorzüge des Stadtlebens auch zu schätzen weiß. Ich hab‘ hier in Wien meine Familie und meinen Freundeskreis. Einmal wöchentlich treffe ich ein paar meiner ehemaligen Kolleginnen und leite sie zum Yoga an. Ja, das Leben ist schön, wunderschön und: jawohl, jetzt ist der beste Zeitpunkt (zum Leben)!

Mit lieben Grüßen, Zita

zita.weber@michlbauer.com